Überschätzen Sie den Anwender nicht. Er hat gerade die erste Begegnung mit Ihrem Produkt.

Es ist gut möglich, dass Ihr Kunde praktisch noch nichts über Ihr Produkt weiss. Strukturen sind wichtig, aber sie müssen übersichtlich sein. Denken Sie an die Regeln bei Präsentationen. Wir können uns leicht 3 Dinge merken, danach wird es für die meisten Menschen schwierig. Das hat nichts mit Intelligenz zu tun. Wir wollen von Natur aus ein einfaches Leben. Wie in den Supermärkten oder im Online-Handel gilt auch hier: ein Überangebot führt zur Ablehnung.

Wenn Sie viele Unterpunkte kreieren, haben Sie eher eine Stückliste, als eine Anleitung geschrieben. Überlegen Sie sich genau, welche Fragen sich der Anwender zu Beginn stellt und beantworten Sie diese gleich zu Beginn. Zum Beispiel: muss ich zuerst den Akku laden, kann ich etwas falsch oder kaputt machen, …

Wir durften vor bald 20 Jahren eine der ersten Software beschreiben, mit welcher man direkt übers Internet am Aktienmarkt handeln konnte. Die Entwickler haben uns eine geschlagene Stunde lang alle Funktionen erklärt. Es war eine tolle Software. Doch wie beschreibt man so viele Funktionen und Optionen so, dass der Anwender diese auch liest? Will das der Kunde überhaupt alles machen? Wir nutzen oft nur einen Bruchteil der Funktionen, die ein Produkt bietet.

Das war die Zeit, als die Modems noch piep machten und man die Baudrate einstellen musste.

Zielpublikum? Banker, Vermögensverwalter, Treuhänder. Alles Personen, die in ihrem Alltag nichts mit Baudraten und Modem zu tun und keine Erfahrung mit Internet hatten. Vielleicht nicht mal wussten, was eine Baudrate ist.

Was hat diese Zielgruppe als erstes interessiert? Zu dieser Zeit war das Internet sehr langsam und niemand war sich sicher, ob nun eine Verbindung aufgebaut wurde oder nicht.

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Wir machten den Vorschlag, dass das erste Kapitel „in 10 Minuten an der Börse“ heissen soll.

Damit haben wir dem Anwender gleich die Angst genommen, dass er viel einstellen muss und dass das lange dauern würde. Darin haben wir Schritt für Schritt die einzelnen Einstellungen beschrieben und wie er kontrollieren kann, dass er es auch richtig gemacht hat.

Nach diesem Kapitel hat er die Echtzeitdaten an der Börse gesehen und sein erstes Erfolgserlebnis gehabt. „Es funktioniert, prima, super Software“.

Alle diese vielen Einstellungen ob die Zahlen grün oder rot erscheinen sollen, Filterfunktionen, Ein- und Ausblenden von Informationen usw. haben wir im Anhang in Aussagekräftigen Kapiteln beschrieben.  Da standen Titel wie „Oberfläche den eigenen Bedürfnissen anpassen“, „Favoriten definieren“, „Kursabweichungen farbig darstellen“.

Fazit

  • Beantworten Sie sofort die Fragen, die Ihr Kunde als erstes haben könnte. Und ich meine damit nicht die FAQs.
  • Nehmen Sie Ihrem Kunden die Angst, dass er etwas falsch machen könnte oder sich tief mit der Materie befassen muss.
  • Führen Sie Ihn Schritt um Schritt zum Hauptnutzen, für den er das Produkt gekauft hat.
  • Schreiben Sie in einfachen und kurzen Sätzen. Und in der Anwendersprache.
  • Schreiben Sie so, dass alles einwandfrei funktioniert. Gehen Sie nicht direkt auf mögliche Probleme ein. Das verwirrt total.
  • Wählen Sie Titel, die eine konkrete Handlung beschreiben. „Einstellungen“ ist kein Titel.
  • Holen Sie sich externe Dienstleister, die Ihr Produkt nicht kennen. Zum Beispiel www.zetavision.ch.